| REMAinside Ausgabe 1/2020

Im Rahmen der Nachhaltigkeit setzt der "Reifendoc" nun auf verschiedene Maßnahmen, um schonender mit vorhandenen Ressourcen umzugehen.

Hieber: „Lassen Sie sich nie an einer Tankstelle zu einem Reparaturpfropfen für 20 Euro überreden, der von außen in die Schadensstelle gedrückt wird. Dieser wird nicht lange halten und ein plötzlicher Reifenschaden kann lebensgefährlich sein! Gleichzeitig sollten Sie auch dem Kfz-Mechaniker mit Skepsis begegnen, der Ihnen mit dem Argument, Reifen ließen sich nicht reparieren, einen Satz neuer Reifen verkaufen will." 

Warum gibt die globale Klimabewegung nicht auch der Reifenreparatur einen kräftigen Schub?

Hieber: Es wird viel über alternative Antriebstechnologien diskutiert, Diesel, Bio-Diesel, Strom, Wasserstoff- aber viel zu wenig über die Reifen und unseren Umgang mit ihnen. Dabei schlummert hier ein enormes Einspar- potential in ökologischer und ökonomischer Hinsicht."

Schobert: Global betrachtet boomt die Reifenreparatur - bei uns wird das Potenzial jedoch bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Hier dürfte Deutschland wirklich mal einen Blick über den Tellerrand wagen und sich ein Beispiel am Rest der Welt nehmen." An den Königen des Alltags aus Spanien, Ägypten oder Brasilien zum Beispiel. Oder am „Reifendoc" höchstpersönlich, der gerne auch dahoam in Bayern mehr reparierte und runderneuerte Reifen bewundern würde.

Artikel von: Jonas Kothy

Ingo Schobert

Vulkaniseurmeister aus Leidenschaft.

Ressourcenschonendes Reifenhandling durch Instandsetzung

Das Thema Reifenreparatur trifft den Zahn der Zeit: Aktuell landen in Deutschland jährlich etwa 600.000 Tonnen Altreifen auf dem Müll, der überwiegende Teil kommt aus dem Endverbraucher-Segment. 30 bis 40 Liter Rohöl fallen bei der Produktion eines einzigen Pkw-Neureifens an, bei Lkw-Reifens sind es sogar 80 bis 100 Liter. Gerade einmal zwei Prozent dieser Mengen werden für das Material benötigt, das bei der Reparatur eines Reifens zum Einsatz kommt. Auch die Runderneuerung beansprucht im Vergleich zur Herstellung von Lkw-Neureifen lediglich ein Viertel der Ressource. Belastbare Zahlen, wie viele Liter Rohöl sich durch eine höhere Reparaturquote einsparen ließen, gibt es nicht, da zu wenig über die ausrangierten Reifen bekannt ist. Konservative Schätzungen gehen schnell in die Millionen Liter-allein für Deutschland.